LYNCH MOB Babylon

Frontiers Music s.r.l. / Soulfood

Der geglückte Versuch „Gott“ nahe zu kommen, oder doch „nur“ endlich ein neues Album von George und seinem MOB?

Die alttestamentarische Geschichte vom Turmbau zu Babel wird seit jeher als Versuch der Menschen betrachtet, sich mit Gott gleichzusetzen. Die Höhe des Turms gilt gleichsam als Versuch, Gott auf „Augenhöhe“ begegnen zu können. Nicht zuletzt deshalb wird Motiv des Turms wohl auch seit Jahrhunderten künstlerisch umzusetzen versucht. Gemälde unterschiedlichster Bekanntheitsgrade aus ebenso vielen Epochen gelten bis heute weltweit als Besuchermagneten in Kunsthäusern und Museen. Auch in der Musik wird das Thema immer wieder gerne verwendet, aktuell von George Lynch, der sein aktuelles Werk mit LYNCH MOB nach der antiken Metropole benannt hat, deren Reste im heutigen Irak liegen.

Wer den Werdegang des Gitarristen bislang verfolgt hat, könnte zwar „verschwörungstheoretisch“ auch aufs Tableau bringen, dass nicht nur seine Fans den guten Mann als „Gitarrengott“ verehren, sondern nun auch er selbst, doch George steht derlei „Vergleichen“ seit jeher kritisch gegenüber, und sollte damit allen (Verw-)Irr(t)en den Wind aus den Segeln nehmen.

Auch wer von diesem Album religionshistorischen Stoff erwartet, wird ein klein wenig enttäuscht sein, denn im Prinzip machen LYNCH MOB exakt dort weiter, wo sie mit ihrem 2017er Album „The Brotherhood“ aufgehört haben. (Die 2020 anlässlich des 30-jährigen Jubiläums erschienene Neuauflage von „Wicked Sensation“ mit dem Zusatz „Reimagined“ sei hier ebenso ausgenommen wie die wohl doch nicht ganz soooo ernst gemeinte Aussage des Meisters, damit das Kapitel LYNCH MOB endgültig beenden zu wollen….). Wenig verwunderlich also, dass auch auf dem aktuellen Dreher der Formation die Gitarre des Chefs regiert, der zusammen mit der einmal mehr erneuerten Ausgabe des „MOB“ (Sänger Gabriel Colón, HEAVENS EDGE-Bassist Jaron Gulino und der ehemalige BULLETBOYS-Drummer Jimmy D’Anda) weder sich selbst noch die Band neu zu erfinden versucht.

Vor allem, der zuletzt auch als Frontmann von SAVAGE GRACE überaus positiv in Erscheinung getretene Neuzugang am Mikro erweist sich als Glückstreffer, schafft er es doch mit seiner dezent melancholischen Stimmfarbe den 90er-Sound wunderbar in die Gegenwart zu transferieren. Tracks wie der mit Grunge-Untertönen angelegte Opener Erase, der geradlinige Heavy Rocker 'Time After Time' oder auch das etwas komplex wirkende, progressiv ausgerichtete 'The Synner' machen deutlich, dass George den aus Puerto Rico stammenden Sänger (der aktuell übrigens auch zum aktuellen Line-Up der US-Metal-Kult-Truppe CULPRIT zählt!) auf Grund seiner facettenreichen Gesangsperformance in die Band geholt hat.

Vielschichtig klangen LYNCH MOB zwar ohnehin schon immer, mit dem an frühe RACER X erinnernden 'How U Fall' lässt uns der Saitenakrobat aber auch noch wissen, dass er auch anno 2023 immer noch wieselflinke Metal-Granaten zum Besten geben vermag. Und mit dem orientalisch angelegten, elegant arrangierten Titelsong am Ende der Scheibe beweist die Formation sehr wohl noch, dass sie „Gott“ verdammt nahe gekommen ist.

Dermaßen intensiv klang eine musikalische Hommage an die antike Stadt nämlich seit den legendären Zeilen "Move closer to me - I can make you anyone. I think you're ready to see - The Gates of Babylon" nur sehr , sehr selten.

Danke, Mr. Lynch, und die Sache vom dem Ende der Band vergessen wir ganz schnell wieder, okay?

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