Seit den frühen 90ern ist diese Truppe bereits aktiv, scheint jedoch erst vor gut zehn Jahren damit begonnen zu haben, sich ernsthaft um Veröffentlichungen zu kümmern. Warum auch immer, weiß man nicht so genau, Tatsache ist allerdings, dass die Schweden erst 2015 mit ihrem Debüt „The Pendulum“ um die Ecke gekommen sind und weitere fünf Jahre später den Nachfolger „Black Feathers On Their Grave“ veröffentlicht haben.
Auf beide hat das überaus talentierte Musikerkollektiv aus dem Drei-Kronen-Land übrigens durchweg positive Resonanz erhalten, weshalb ein weiteres Werk dieser Formation wohl in einschlägig orientierten Fan-Kreisen ebenso freudig in Empfang genommen werden wird, wie offenbar doch vorhandenes früheres Material.
Als Indiz, dass sehr wohl auch ältere Aufnahmen der Truppe existieren, darf das von Cult Metal Classics 2022 veröffentlichte Compilation-Album „Time Out Of Mind" betrachtet werden. Schließlich wurde dafür das ursprünglich unter dem früheren Bandnamen ZANITY aufgenommene Demo gleichen Namens von vier Tracks auf einen 22 Nummern enthaltenden Doppeldecker erweitert. Da Bandgründer und Gitarrist Jan Strandh schon in jener Zeit mit Tony Niva, einem der aktuellen Sänger von MASTER MASSIVE zusammenarbeitete, lässt sich zudem auch der Entwicklungsprozess dieser Truppe nachvollziehen.
Schon in jenem frühen Stadium haben MASTER MASSIVE eine abwechslungsreiche Mixtur aus Doom, Progressive, Power und traditionellem Heavy Metal dargeboten. Das Material war in der Frühzeit zwar noch nicht ausreichend stringent arrangiert, weshalb mehrfach das Gefühl aufkommt, etwas noch nicht vollends Ausgereiftem zu lauschen.
Womit wir bei „White Shadows" angekommen wären, dem aktuellen Dreher der Schweden. Insgesamt sieben Tracks sind darauf verewigt, die allesamt einen gewissen „Old-School-Geruch" vermitteln. Zum einen, weil der Sound entsprechend ausgefallen ist und sich die Schweden offenbar ganz bewusst dafür entschieden haben, ihre aktuellen Nummern so klingen zu lassen, als ob sie in den frühen 90er Jahren aufgenommen worden wären.
Der Einstieg ins Geschehen ruft auch stilistisch jene Epoche in Erinnerung, ist der Opener 'Noah's Cross' doch als über 11-minütiges Epos angelegt, das sowohl progressive als auch Doom-Metal-Passagen enthält, die elegant in ein Power-Metal-Fundament eingearbeitet wurden. Geführt vom teils zwar sehr wohl filigranen, niemals jedoch angeberisch konstruiert wirkenden Gitarrenspiel von Mastermind Strandh, offeriert die Formation damit ein ebenso kurzweiliges wie facettenreiches Stück. Man merkt der Truppe nicht nur ihre Routine an, sondern auch, dass sie niemandem mehr etwas beweisen zu brauchen. Im Gegenteil, hier zieht jemand sein Ding konsequent und ohne Rücksicht auf Verluste durch. Dadurch hat sich MASTER MASSIVE eine gewisse "Kauzigkeit" ebenso erspielt wie man die Band wohl mit bestem Gewissen als eigenwillig bezeichnen darf. Dazu passt auch, dass neben diversen epischen Doom-Sequenzen in 'Jonah And The Whale' und 'Tantrum Rebellion' auch heftiger Power/Thrash zu hören ist.
Doch egal, wie hart und abgefahren es auch zur Sache geht, als Zuhörer verliert man weder den Überblick noch erweist sich „White Shadows" als überladen. Im Gegenteil, das abwechslungsreich gestaltete Album wird obendrein auch noch von überaus gelungenen Vokalarrangements belebt. Dafür sorgen mit Tony Niva, Marcus Karlsson und Viktor Gustafsson drei begnadete Sänger, denen gewisse Rollen zugeordnet wurden. Tony darf mehrfach Höhenlagen mit seinem Falsett erklimmen, während sein Kollege Marcus deutlich derber und rauer ins Mikro röhrt, und Viktor ein wenig düsterer als seine Kollegen klingt und so manchem Track einen gewissen Gothic-Charme ('Blood On The Floor') einhaucht.
Nicht zuletzt dadurch lässt "White Shadows", das vom gleichermaßen epischen wie atmosphärisch dichten Titeltrack ein edel anmutendes Ende findet, phasenweise auch an ein Konzeptalbum, oder gar an eine von jeglichem Kitsch befreite Rockoper denken. Kurzum, ein gelungenes Teil, das definitiv eine Zielgruppe von gehörigem Ausmaß erreichen sollte, selbst wenn der Dreher doch etwas eigenwillig, und für jüngere Musikliebhaber eventuell gar aus der Zeit gefallen wirkt.
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