Zwar hat man die NWOBHM-Legende TOKYO BLADE in unseren Breiten schon sehr lange nicht mehr zu Gesicht bekommen, von Untätigkeit kann im Lager der Briten aber keine Rede sein. Kein bisschen, um genau zu sein, wie uns Gitarrist und Bandmitbegründer Andy Boulton im vereinbarten Zoom-Call mitzuteilen hatte:
Mit »Hoist The Colours High« veröffentlicht Ihr das mittlerweile fünfte Studioalbum innerhalb von nur knapp acht Jahren. Das nennt man wohl einen Lauf, oder?
Ja, das stimmt. Im Prinzip begann es ab dem Zeitpunkt, als sich Alan Marsh wieder uns angeschlossen hatte, wieder rund zu laufen. Er war nicht bloß jener Sänger, der auf den ersten Scheiben den Bandsound entscheidend mitgeprägt hat, er hat uns auch als Freund gefehlt. Und ja, seit Alan wieder mit dabei ist, funktioniert auf Bandebene wieder fast alles so, wie früher.
Ehrlich gesagt war ich ein wenig vom Pressetext des aktuellen Drehers irritiert. Darin wird festgehalten, dass nur Alan und Du darauf zu hören seid. Läuft doch nicht alles rund?
Das ist leider etwas ungeschickt formuliert. Generell stimmt es zwar, dass ich sämtliche Gitarrenpassagen und auch die Bassspuren eingespielt habe, und nur von Alan und einem Session-Drummer begleitet wurde. An unserem Line-Up hat sich jedoch nichts geändert. Die Zeit vor den Aufnahmen gestalteten sich für Alan und mich jedoch zu lang, weshalb wir uns – natürlich nach Rücksprache mit unseren Kollegen, die schlicht keine Zeit hatten – für diese Aufnahmeweise entschieden haben. Also, keine Bange. Tokyo Blade sind immer noch als Band aktiv! Und in der aktuellen Formation werden wir auch das nächste Album angehen.
Das klingt ja fast so, als ob Ihr uns in ähnlich flotter Manier schon bald den nächsten Dreher anbieten werdet?
Exakt! Genau genommen habe ich sogar schon eine dermaßen stattliche Anzahl von Songs in der Hinterhand, um zwei Studioalben füllen zu können. Und damit meine ich nicht, nur ein paar Nummern mit schlappen 30 Minuten Spielzeit. Und das, obwohl vor den endgültigen Aufnahmen noch einmal ein interner Qualitätscheck erfolgt, ob wir mit allen Nummern auch tatsächlich einverstanden sind.
Nachvollziehbar, schließlich bringen es sowohl »Hoist The Colours High« als auch die beiden Alben davor auf über 70 Minuten. „Value For Money“, oder?
Cool, dass Du das auch so siehst. Uns ist allerdings in der Vergangenheit schon mehrfach vorgeworfen worden, unsere Scheiben wären zu lang. Ich kann das ehrlich gesagt nicht nachvollziehen.
Könnte ein Generationsthema sein. Du weißt ja, wie das läuft bei Spotify und Co., oder?
Stimmt. Als „Einstieg“, also um eine Band überhaupt erst einmal kennenzulernen, eignet sich eine solche Plattform sicher optimal. Wir mussten damals noch in den nächstbesten Plattenladen laufen, um uns die neuesten Scheiben anhören zu können. Kaufen konnten wir nur leider wenige davon, dafür haben wir diese Scheiben allesamt verinnerlicht. Und für den Rest haben wir uns mit überspielten Kassetten gegenseitig ausgeholfen. Das waren noch Zeiten.
Viele dieser Kassetten wurden mittlerweile durch Re-Releases, oder erweitert durch Boxsets ersetzt. Eure »Beware The Blade: Classic, Rare & Unrelased«-Box aus dem Vorjahr etwa finde ich überaus gelungen. Seid ihr in den Entstehungsprozess involviert gewesen?
Ja. Die Idee an sich stammte von unserer Plattenfirma. Zwei CDs mit 30 Songs aus 30 Jahren Bandgeschichte haben ihnen aber nicht gereicht. Deshalb wurde nach unveröffentlichten Songs gefragt, die wir in Kooperation mit dem Label dann ausgewählt haben. Auch den Live-Mitschnitt vom „Earthquake“-Festival 1984 und das Booklet haben wir in enger Zusammenarbeit gestaltet.
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