TORI AMOS In Times Of Dragons

Decca / Universal

Ein Konzeptalbum der besonderen Art

Ich wurde 1994 dank ihrer Single „Cornflake Girl“ auf Tori Amos aufmerksam und das zugehörige Album „Under The Pink“ belegte meinen CD-Player für ziemlich lange Zeit. Seitdem hatte ich mir jedes ihrer Alben zugelegt und auch ihr Buch „Resistance“ (2021) war Pflichtlektüre. Somit waren die Erwartungen auf den neuen Longplayer dementsprechend hockgesteckt.

„In Times Of Dragons“ ist durchaus auf Augenhöhe mit jedem einzelnen Album, das sie in diesem Jahrtausend – ihre kreativste Phase schlechthin – veröffentlicht hat. Die Musik ist ruhig und von vertrauter Düsternis, Tori’s Gesang wie immer leidenschaftlich und die Streicheruntermalung üppig und ausladend. Man hört das Oeuvre einer Künstlerin, das ungefiltert direkt aus dem Herzen kommt. 

Der „Song Of Sorrow“ ist einfach nur wunderschön. In reduziertem Setting, Piano, Gesang und Streicher, je öfter man ihn hört desto mehr Nuancen geben sich zu erkennen. Synth-Parts untermalen große Emotionen mit elektronischen Bleeps als Interpunktion. „Pyrite“ ist ein Uptempo-Song, mit pulsierender Bassline und einem richtig coolen Groove, an dem man sich schwer satt hören kann. Nahezu ein Pop-Tune wie man ihn schon länger von Tori nicht mehr gehört hat. „Gasoline Girl“ ist definitiv der Stand Out-Track auf dem Album, mit einem filigranen Jazz-Touch der ein wenig an den großen Vince Guaraldi gemahnt und ungewohnt bissigen Lyrics. “Stalked by henchmen / Of that lizard scum / Free speech, what was that? / Here there is none / Now there is none.” Gegen Ende singt sie „this is just a little ditty“ – ein belangloses Liedchen ist dies beileibe nicht, eher ein Kriegsschrei! Wie schon gelegentlich auf früheren Alben hat Tori Amos ihre Tochter Natasha „Tash“ Hawley zur Zusammenarbeit auf den Songs „Strawberry Moon“, „Veins“ und „Stronger Together“ ins Studio eingeladen und speziell die gemeinsame Darbietung auf letzterem ist ein wahrer Ohrenschmaus.

Manche mögen behaupten dass „In Times Of Dragon“ mit 76 Minuten zu lange ausgefallen wäre, für mich gehört jeder Song, jede Note, jede Nuance und jede Stimmung dazu und die Tatsache, dass Tori’s Gesang eine zunehmend rauchigere Note gewonnen hat, macht es umso reizvoller. 

toriamos.com