WARREN HAYNES Dreams & Songs

Provogue

Karrierequerschnitt in orchestralem Setting

Als ich Warren Haynes vor einigen Jahren anlässlich seines Konzerts im WUK zum Interview traf erzählte er mir unter anderem über die Zeit, als er neben seinem Hauptjob bei den ALLMAN BROTHERS natürlich ebenfalls mit GOV’T MULE und gelegentlich sogar mit (GRATEFUL) DEAD zugange war und das in Ausnahmefällen bei manchen Festivals sogar an einem einzigen Tag. Die Tatsache, dass jede dieser Bands traditionell Gigs in Überlänge absolvierte lässt den Rückschluss zu, dass Mr. Haynes locker bis zu 100 Songs und mehr mühelos zum Besten geben konnte.

Ein Exzerpt aus diesem immensen Portfolio gibt es nun auf „Dreams & Songs“ zu hören, ein Live-Album mit dem ASHVILLE SYMPHONY ORCHESTRA und Warren’s langjährigen Musiker-Kollegen Oteil Burbridge (bs), John Medeski (keys), Jeff Sipe (dr) und Greg Osby (sax) sowie Edwin McCain und Jasmine Muhammad als Backgroundsänger. Und es sind nicht nur die orchestralen Arrangements, die Songs bekommen in der Neubearbeitung teils neue Strukturen, eine neue Dynamik und emotionale Tiefe.

Die GRATEFUL DEAD-Hymne „Shakedown Street“ kommt in diesem Setting mit vermehrter Vehemenz rüber, „sie ist sehr düster und kraftvoll, und wie ich finde, sehr wirkungsvoll“ hat Waren Haynes anzumerken. „Raven Black Night“, ursprünglich ein überaus frugaler GOV’T MULE-Track, erlebt eine dramatische Transformation mit üppigen, ausladenden Arrangements und der „Thorazine Shuffle“ erhält in John Medeski’s Überarbeitung eine nahezu avantgardistische Note.

Warren Haynes stellt hier mehr als drei Dekaden seiner musikalischen Laufbahn vor den Vorhang, jedoch sind hier kaum nostalgische Reminiszenzen angesagt sondern vielmehr das Streben nach stetem musikalischem Wachstum.

Ein Album, dem man mit Ehrfurcht begegnet. Tatsache!

warrenhaynes.net